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Um ehrlich zu sein, haben wir es uns ein bisschen gewünscht – aber dass es tatsächlich gelingt, ist dann doch fast mehr, als wir dieses Jahr zu träumen gewagt haben: Milena Michiko Flasars Essay "Sterben lernen auf Japanisch" geht in die zweite Auflage. Wir sind überwältigt von allem Zuspruch, den dieses Buch erfährt, und den vielen Reaktionen auf das Thema Sterben.
Ebenso sehr freuen wir uns, dass das Buch einer der Titel ist, der 2025 die Buchprämie des Ministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport verliehen bekommen hat. Die Auszeichung gilt "besonders gelungenen Neuerscheinungen österreichischer Autor:innen in österreichischen Verlagen". Ein herzliches Dankeschön an die Jury!
Illustration S.R. Ayers

An der Haltestelle steigen viele Menschen ein, er ist einer von ihnen. Beim Vorbeigehen streift mich einer seiner Arme, nicht absichtlich, denke ich, eher dem knappen Platz im Bus schuldend. Ich beachte ihn nicht weiter. Der Bus setzt sich in Bewegung und ich sitze still. Bis ich ihn höre. Laut und deutlich.

Die große Weltkarte in der Küche hat sieben Umzüge überlebt, dabei interessiere ich mich gar nicht für Geografie. Wichtig war darauf immer nur ein kleines Pünktchen rechts unten, mitten im Pazifik. Dort liegt der Inselstaat Tuvalu, der sich so sanft über das Wasser erhebt, wie es sein nur hauchbarer Name schon verspricht

„Wer bist du?“ Wenn ich auf diese Frage reagiere, dann gebe ich, vermutlich je nach fragender Person und je nach meiner Tagesverfassung, unterschiedliche Antworten.

Ich liebe mein Gehirn. Ich habe es mir gemütlich eingerichtet, in meinem Kopf. Zwischen all seinen Windungen und auf seinen neuronalen Autobahnen bin ich zu Hause. Ich beobachte, analysiere, drehe und wende, blicke zurück und voraus, versuche zu erahnen und zu verstehen.

Tränen, Schweiß und Widerspenstiges: Essays sind nichts für Angsthasen

Meine Tochter wird dieses Jahr 15. Es wird nicht mehr lange dauern, und sie wird auf Partys gehen, sich mit Jungs treffen, abends allein unterwegs sein. Bei mir jedenfalls hat das in dem Alter angefangen.

Es ist Herbst und ich sag mir, bist du arg, war das ein arger Almsommer, und hau mir selbst so lange anerkennend auf die Schultern, bis ich mich verkutze und mir in einem lauten Rülpser ein alt gewordener Traum entfährt.

Höre ich tief genug in mich hinein, weiß ich es: Social Media – vor allem Instagram – müssen weg aus meinem Leben, aus meiner Arbeit, aus der Art, wie ich meinen Tag gestalte.

„Ich habe nur mehr drei Monate zu leben.“ Meine Mutter hatte im April 2024 ihre Lungenkrebsdiagnose bekommen und relativ schnell darauf begonnen, Familienmitgliedern und Bekannten zu erzählen, dass sie bald sterben würde.

Wir sind überglücklich: "Sterben lernen auf Japanisch" erhält die Buchprämie 2025 und geht in die zweite Auflage!

Viele aktive Leser*innen kennen diesen Schrecken: die plötzliche Unfähigkeit, ein, jegliches, gleich welches Buch zu Ende zu lesen. In meiner Familie wird dieser Zustand Lesekrise genannt, ihre Opfer sind Gegenstand von Mitleid und Adressaten einfühlsamer Ratschläge, mit denen man sie aus der Misere zu dirigieren versucht.

Wie sehr kann man sich freuen auf etwas in der Zukunft? Wir fließen weiter und feiern das Frühjahr 2026 - mit Büchern von Regina Denk, Nicole List und Clar Gallistl!

Im Alemannischen gibt es einen Begriff, der Vorarlbergerinnen seit Jahrhunderten prägt. Ghörig. Meine verstorbene Oma Herta war keine „Ghörige“.

Armut ist ein Strudel. Nicht die Mehlspeise. Ich meine den Wirbel im Wasser. Er reißt Schwimmende mit, zieht sie unter die Oberfläche eines Gewässers, bis alle Luft, alles Leben ihre Lungen verlässt.

Ein Lesungs- und Diskussionsformat über all das, was wir aushalten - und was nicht. Am 15.1., 13.3. und 29.5.2026 im USUS Schauspielhaus Wien

Sie ist die Ältere, also wird von ihr erwartet, dass sie die Vernünftigere ist.

Ich sitze da. In ihrem Wohnzimmer. Sie kommt aus der Küche, als würde sie einer roten Linie folgen, die nur sie sehen kann – einer roten Linie, die brüchig wird.

Privates absagen. Friends nicht treffen. Nein zur Familie sagen. Klingt hart, oder?